27.04.2018 | 27.04.2018

Ehrenamtliche wünschen sich zentrale Anlaufstelle im Rathaus

Zu Beginn der Diskussion würdigt OB Leibe (hinten) die wichtige Rolle der Ehrenamtlichen für das städtische Leben, warnt aber auch davor, sie durch zu viele Aufgabenzuweisungen zu überfordern.
Zu Beginn der Diskussion würdigt OB Leibe (hinten) die wichtige Rolle der Ehrenamtlichen für das städtische Leben, warnt aber auch davor, sie durch zu viele Aufgabenzuweisungen zu überfordern.

(pe) Konkrete Hilfestellungen und Vereinfachungen bei der Vorbereitung von Veranstaltungen und der Beantragung von Fördergeldern – diese Wünsche der Vereine standen im Mittelpunkt des ersten Ortstermins von OB Wolfram Leibe in seinem Jahresschwerpunkt „Das Ehrenamt – der starke Rückhalt der Gesellschaft“. Derzeit bewegt die ehrenamtlich Engagierten noch ein ganz anderes Problem. Am 25. Mai tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Die vielen noch offenen Fragen sorgen für erhebliche Verunsicherungen. Im Blickpunkt der Reform steht vor allem der Schutz persönlicher Daten. Die Vereine sind sich zum Beispiel oft nicht sicher, welche Infos über ihre Mitglieder sie speichern dürfen und welche Einschränkungen bei deren Verwendung zu beachten sind. Carsten Müller-Meine, der sich zusammen mit Leibe den Fragen der Ehrenamtlichen aus den Stadtteilen Irsch, Filsch, Kernscheid und Tarforst stellte, sieht hier einen erheblichen Schulungs- und Beratungsbedarf. Dem wollen sowohl die Trierer Ehrenamtsagentur als Partner vor Ort als auch die Stabsstelle Ehrenamt in der Mainzer Staatskanzlei Rechnungen tragen.

Leibe sieht ebenfalls eine erhebliche Verunsicherung durch die Verordnung, warnte aber auch davor, sich in Panik versetzen zu, lassen. Marco Marzi, Vorsitzender des Stadtsportverbands, äußerte die Befürchtung, dass durch die mit der Verordnung verbundenen Risiken Interessenten von einer Mitarbeit in Vorständen abgeschreckt würden. Schon jetzt würden viele Vereine unter Nachwuchsmangel leiden. Er schlug vor, einen zentralen Datenschutzbeauftragten für alle Trierer Vereine zu installieren, damit sich nicht jede Gruppe einzeln mit diesem Problem herumschlagen müsse. Müller-Meine fand die Idee zwar grundsätzlich gut, hat aber rechtliche Bedenken: „Wir könnten Probleme mit dem Haftungsrisiko für denjenigen bekommen, der die konkrete Beratung macht. Das gilt besonders für Freiberufler.“

Vor dem Start in die Debatte hatte Leibe zur Begrüßung das große Engagement der Ortsvorsteher, der Freiwilligen Feuerwehren und der rund 500 Trierer Vereine gewürdigt und ergänzt: „Das Ehrenamt braucht zu seiner Unterstützung feste hauptamtliche Strukturen. An dieser Stelle kommt die Ehrenamtsagentur ins Spiel. Unser Angebot in Trier sucht seinesgleichen in Rheinland-Pfalz.“ Vor der Diskussion konnten die Vereine ihre Fragen und Anliegen einreichen. Dabei ging es um Einzelprobleme, wie die Frage des Musikvereins Irsch nach Parkausweisen bei städtischen Konzerten oder die Zuschussbeantragung für die ehrenamtliche Nach-mittagsbetreuung der Grundschüler in Irsch. An dieser Stelle gab Leibe den Tipp, sich mit einem Antrag an die Schulstiftung der Sparkasse zu wenden.

Mehrere Teilnehmer der Runde sehen Verbesserungsbedarf bei den Regelungen zu den Anmeldungen und Vorbereitungen für ihre Veranstaltungen. Derzeit müssen sie sich vor allem an das Ordnungsamt und die Straßenverkehrsbehörde wenden und manchmal auch an weitere Dienststellen im Rathaus. Mehrfach wurde der Wünsch geäußert, eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen. Leibe verwies darauf, dass es eine solche „One Stop-Agency“ für Unternehmen in der Wirtschaftsförderung gibt und sagte eine Prüfung zu. Viele Vereine wüssten auch oft nicht, welche städtischen Dienststellen für konkrete Fragen zuständig seien. „In solchen Fällen kann ein Anruf bei der zentralen Infonummer 115 sehr hilfreich sein“, so der OB. Zum Abschluss bat Leibe die Gäste um eine Gesamteinschätzung der Rahmenbedingungen für das Ehrenamt in den vier Stadteilen. Dabei wurden die Noten Befriedigend und Gut vergeben.

Hinweis an die Redaktionen: Unter „Downloads“ finden Sie das zur Veröffentlichung freigegebene Foto in hoher Auflösung. Bitte geben Sie als Bildnachweis „Presseamt Trier“ an.

 

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