Trierer Persönlichkeiten aus über 2000 Jahren: Clara Viebig

Die Schriftstellerin Clara Viebig. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier
Die Schriftstellerin Clara Viebig. Bild: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Eine der ganz Großen der deutschen Literaturgeschichte stammte aus Trier: Clara Viebig (1860-1952) war eine der ersten deutschen Schriftstellerinnen der Moderne. Viebigs Bücher standen früher selbstverständlich im Regal jeder bürgerlichen Familie, jeder Leser kannte sie. In ihren Werken setzte sie Trier und der Eifel ein literarisches Denkmal.

„Ich habe mir just den schönsten Winkel der ganzen schönen Rheinlande zum Geborenwerden ausgesucht. In Trier unweit der ‚Poort‘, wie das Römertor im Volksmund heißt´, stand meine Wiege; sie schaukelte im Takt mit den frommen Kirchenglocken, ich schlummerte süß bei deren Schall.“ Mit diesen Zeilen verleiht die Schriftstellerin Clara Viebig ihrer Verbundenheit mit ihrer Geburtsstadt Trier Ausdruck, in der sie allerdings nur wenige Jahre lebte.

Clara Viebig wurde am 17. Juli 1860 in der Simeonstiftstraße 10 (heute Kutzbachstraße/Ecke Simeonstiftplatz) in Trier geboren. Später wohnte die Familie in Trier in der Zuckerbergstraße und In der Olk. Viebigs Familie stammte aus Posen, der Vater war als Beamter in die Moselstadt versetzt worden. Schon 1868 zog sie mit ihrer Familie weiter nach Düsseldorf, nachdem ihr Vater zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten Friedrich von Kühlwetter befördert wurde. Nach ihrem Schulabschluss kehrte Viebig 1876 für ein sogenanntes Pensionsjahr zurück nach Trier und lebte in der Familie des Trierer Landgerichtsrates Mathieu, einem Freund ihres Vaters. Sie begleitete ihn zu Verhören und Obduktionen und lernte dabei Land und Leute in Trier und der Eifel kennen. Ihre Eindrücke fanden später Niederschlag in zahlreichen literarischen Werken.

Als Clara Viebig 21 Jahre alt war, starb ihr Vater. Sie zog daraufhin mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie ein Gesangsstudium absolvierte und mit Klavierunterricht Geld verdiente. Ihre ersten Publikationen veröffentlichte sie unter dem Namen C. Viebig, da Schriftstellerinnen es zu dieser Zeit bei Publikum und Kritik schwer hatten. Theodor Fontane wurde auf ihre Texte aufmerksam und vermittelte sie an den Verlag seines Sohnes, der ihre Werke veröffentlichte. Dort lernte sie auch den Mitinhaber des Verlags, ihren späteren Ehemann Friedrich Theodor Cohn, kennen, mit dem sie einen Sohn bekam.

Durchbruch mit „Das Weiberdorf“

1900 publizierte sie den Roman „Das Weiberdorf“, der ihr zum literarischen Durchbruch verhalf und sie zu einer der erfolgreichsten Autoren ihrer Zeit machte. Inhaltlich ging es um das Dorf Eifelschmitt, das den rund 40 Kilometer von Trier entfernten Eifelort Eisenschmitt als Vorbild hatte, und in dem Viebig die typischen Lebensumstände dieser Zeit darstellte: Die Männer verbringen das ganze Jahr als Arbeiter im Ruhrgebiet und die Frauen sind alleine zu Hause und führen ein unabhängiges Leben. Konservative Zeitgenossen liefen Sturm gegen die Thematik und die freizügige Schilderung der Menschen und ihrer Leidenschaften. Der Streit machte Viebig nur noch bekannter. Als äußerst produktive Autorin publizierte sie zahlreiche Romane, Novellen und Kurzgeschichten. Vortragsreisen führten sie bis nach New York und Sankt Petersburg.

Der Nationalsozialismus bedeutete einen großen Einschnitt auch in Clara Viebigs Leben. Weil ihr Mann Friedrich Theodor Cohn Jude war, musste er 1933 seine Anteile am Verlag abgeben. Sie hatte es danach schwer, Werke zu veröffentlichen. Erst nach dem Tod ihres Mannes 1936 trat sie der Reichsschrifttumskammer bei und ließ einige Romane neu auflegen. Im Alter von 92 Jahren starb Clara Viebig am 31. Juli 1952 in Berlin und wurde in Düsseldorf beigesetzt.

In Trier erinnert am Haus Simeonstiftplatz 1, das an der Stelle ihres Geburtshauses steht, seit 2018 eine Tafel an die berühmte Schriftstellerin.