Quattropole

Metzer Installationskünstler gewinnt Schuman-Kunstpreis

Installation von Thibaud Schneider
Für seine Installationen hat Thibaud Schneider aus Metz den diesjährigen Robert-Schuman-Kunstpreis erhalten. Foto: Olivier Minaire

Seit 1991 bietet der Robert Schuman-Kunstpreis dem zeitgenössischen Kunstschaffen in der Großregion ein Schaufenster. Die Quattropole-Städte Trier, Luxemburg, Metz und Saarbrücken richten den Preis abwechselnd alle zwei Jahre aus, wobei jede Stadt einen oder mehrere Kuratoren nominiert, welche jeweils vier Künstler zur Teilnahme einladen. Dieser fruchtbare Austausch mündet in eine Gruppenausstellung von 16 Kunstschaffenden aus der Großregion, unter denen eine Jury den oder die Preisträger bestimmt. In diesem Jahr ist die Stadt Luxemburg Ausrichter der 14. Ausgabe. Ausstellungsorte sind der Cercle Cité und das städtische Kunstmuseum Villa Vauban.

Labile Konstruktionen

Der diesjährige Preisträger ist Thibaud Schneider aus Metz. Der Künstler formt, montiert und verarbeitet Holz, Gips, Rahmen, Gemälde, Wörter und Fotoarchive. Seine labilen Konstruktionen und Ruinenlandschaften nehmen den Raum ein: den Raum der Kunst, aber auch den Übergangsraum des Entstehens. Die Skulpturen und Bilder von Thibaud Schneider materialisieren seine romantisch anmutende Suche, bei der er die Unvollkommenheit zum Ausdruck zu bringen versucht.

Die Besonderheit in diesem Jahr: Neben dem Preisträger erhalten zwei weitere Künstlerinnen eine besondere Erwähnung der Jury. Aline Bouvy aus Luxemburg und Anaïs Marion aus Metz. Der multidisziplinären Arbeit von Aline Bouvy wohnen eine Kompromisslosigkeit und die Weigerung inne, sich an diejenigen Systeme der Gesellschaft anzupassen, die darauf abzielen, Sehnsüchte und Wünsche in eine vorgegebene Richtung zu lenken, um sie mit den Normen und Werten in Einklang zu bringen, die ebendieser Gesellschaft zugrunde liegen. Die Künstlerin hinterfragt die Hierarchien etablierter Machtstrukturen und die patriarchalen Systeme.

Anaïs Marion reist, fotografiert, schreibt und archiviert. Ihre Studien und minutiösen Protokolle bewegen sich zwischen den Ritualen der Touristen und der Tätigkeit eines Archäologen, zwischen den Manien der Sammler und den Methoden eines Archivars. Mit ihren Bildern, Büchern, Installationen und Performances versucht sie, die festgefügten Regeln der Produktion, Verbreitung und Aneignung historischen Wissens durch Reproduktion, Entfremdung und vollständiges Ausschöpfen zu erschüttern.

Für Trier nahmen in diesem Jahr Stephan Backes, Werner Bitzigeio, Bettina Ghasempoor und Judith Leinen am Robert Schuman-Kunstpreis teil. Ausgewählt wurden sie von Bettina Leuchtenberg.

  • Die Gruppenausstellung der Künstlerinnen und Künstler ist bis 19. Januar in der Villa Vauban und im Cercle Cité in Luxemburg zu sehen.