20.02.2018

Standort für Handwerk und Kreative

Kuftbild der General-von-Seidel-Kaserne
Rund zehn Hektar umfasst das potenzielle Gewerbegebiet im Stadtteil Euren, das von der Luxemburger Straße erschlossen wird. Foto: Amt für Bodenmanagement und Geoinformation

Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete hatte in den letzten Jahrzehnten in Trier Seltenheitswert. Auf dem Grundstück der früheren General-von-Seidel-Kaserne will das Rathaus in den kommenden Jahren einen neuen Standort entwickeln und hat dabei unter anderem die Kreativ- und Digitalwirtschaft im Blick. Zunächst stehen Verhandlungen zum Ankauf der Bundesimmobilie auf dem Programm.

In vieler Hinsicht ist Trier eine aufstrebende Stadt, das haben zuletzt die Städterankings zweier Nachrichtenmagazine ergeben (siehe Bericht Seite 3). Doch in einem Punkt herrscht eine gewisse Stagnation: Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen seit Jahren ziemlich konstant bei circa 60 Millionen Euro pro Jahr und damit deutlich niedriger als in vergleichbaren rheinland-pfälzischen Städten. „Wenn wir die Gewerbesteuerzahlen von Koblenz hätten, wäre Neuverschuldung in dieser Stadt schon lange kein Thema mehr", hat OB Wolfram Leibe zuletzt bei mehreren Gelegenheiten betont.

Höhere Steuereinnahmen kann die Stadt durch Neuansiedlungen erzielen und mit der Konversion der gut zehn Hektar großen General-von-Seidel-Kaserne an der Luxemburger Straße in ein Gewerbegebiet sollen innovative Unternehmen nach Trier gelockt werden. Christiane Luxem, Leiterin der Wirtschaftsförderung im Rathaus: „Wir denken zum Beispiel an Start-ups aus den Branchen IT, Kommunikation und Design, die zukunftsfähige Geschäftsmodelle, moderne Technologien und kundenfreundliche Lösungen verbinden. Gleichzeitig soll bestehenden Unternehmen und Handwerksbetrieben die Möglichkeit zur Erweiterung geboten werden. Wichtig ist, dass mit der Entwicklung des Geländes der Wirtschaftsstandort Trier zukunftsfähig wird."

Ab 2014 Aufnahmelager

Nach dem Abzug der letzten Bundeswehreinheiten 2009 lag die Kaserne mehrere Jahre brach, ehe sie ab 2014 als Erstaufnahmelager für Asylsuchende und Flüchtlinge genutzt wurde. Für diesen Zweck wird sie nun nicht mehr benötigt und die Stadt beabsichtigt, ihr Vorkaufsrecht geltend zu machen. Noch-Eigentümer ist der Bund, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA).

Zur Ermittlung eines fairen Kaufpreises wollen die beiden Partner zunächst gemeinsam ein Verkehrswertgutachten erstellen. Eine dezernatsübergreifende Projektgruppe im Rathaus erstellt gleichzeitig ein Nutzungskonzept und kümmert sich um die baurechtlichen Fragen. Geklärt werden muss unter anderem, ob alle Bestandsgebäude abgerissen oder einzelne weiter genutzt werden – zum Beispiel die Turnhalle, die auch für den Schul- oder Vereinssport interessant sein könnte. Bei der Erschließung und Vermarktung des Geländes will die Stadt später mit einer externen Entwicklungsgesellschaft zusammenarbeiten.

Der Stadtrat hat die Aufnahme der Kaufverhandlungen Anfang Februar einstimmig gebilligt. Vor der Abstimmung hatte Hans-Alwin Schmitz, UBT-Ratsmitglied und zugleich Ortsvorsteher des betroffenen Stadtteils Euren, die „wichtige Infrastrukturmaßnahme" ausdrücklich begrüßt. Bei der Ansiedlung sei aber darauf zu achten, dass von dem neuen Gewerbegebiet keine Lärm- oder Geruchsbelästigungen für die benachbarten Eurener Wohnquartiere ausgehen. Wie Christiane Luxem bestätigt, soll in dem Nutzungskonzept daher die Ansiedlung von Industriebetrieben und produzierendem Gewerbe ausgeschlossen werden.